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© Copyright 2018 trivago
Möglichst agil zu bleiben,
das ist eine Herkulesaufgabe.

Das Atreus Online Magazin für Interim Management
Ausgabe 22 | Mai 2018

Trivago-Gründer Rolf Schrömgens kann sich schwer vorstellen, dass in zehn, zwanzig Jahren noch viele der heutigen Dax-Unternehmen existieren. 

„Bei Digitalisierung geht es darum, die Lerngeschwindigkeit im Unternehmen zu erhöhen.“

»Warum sind Sie heute nicht Gastwirt in sechster Generation?«

Ich spürte einen ziemlich starken Druck, den Betrieb zu übernehmen. Davon musste ich mich erst mal freimachen. Das war schwierig. Nach dem Studium habe ich sogar zwei Jahre das Restaurant geführt, als mein Vater krank wurde. 2005 habe ich ihn vor die Wahl gestellt: entweder er oder ich. Zwei starke Charaktere zusammen, das funktionierte einfach nicht. Er wollte bleiben. Also habe ich einen Monat später mit Studienfreunden Trivago gegründet. 

Rolf Schrömgens, Trivago-Chef 

»Anders als damals gilt Gründen inzwischen als hip. Ist es heute leichter, ein Start-up aufzubauen?«

Gründen ist deutlich einfacher geworden. Zum einen gibt es mehr fachliche Hilfe und Kapital. Zum anderen brauchen Gründer heute weniger Geld, um ein gutes Geschäftsmodell aufzubauen.

»Wieso das denn?« 

Heute gibt es Cloud-Computing und viel mehr Open-Source-Software. Da lässt sich ganz fix eine App bauen und auf den Markt bringen. Vor zehn Jahren war das noch viel mühsamer. 

»Gibt es nicht schon eine gewisse Sättigung in der Gründerszene? Für alles gibt es eine App – von der Gebrauchtmaschinen-Börse bis zur Kredit-App.«

Digitale Geschäftsmodelle stehen erst am Anfang. Was wir zurzeit „Start-up-Kultur“ nennen, wird in Zukunft einen sehr viel größeren Teil unserer Wirtschaft einnehmen, als wir uns heute vorstellen können. Lebenszyklen von Unternehmen werden immer kürzer. Gründung wird also immer wichtiger. Ein Großteil der Wertschöpfung wird sich auf die jungen Firmen verlagern. 

»Fachkompetenz wird überschätzt. 
Gerade probieren wir extreme 
Jobrotation aus.« © Copyright 2018 trivago

»Aber Konzerne und Mittelständler haben doch erkannt, wie wichtig Digitalisierung ist. Bei der Industrie 4.0 gilt Deutschland als führend.« 

Dennoch werden es klassische Großunternehmen sehr schwer haben. Ich wüsste keinen Dax-Konzern, der nicht disruptiert wird, der nicht unter starker Konkurrenz von jungen Firmen steht – nicht nur Banken oder Autobauer.

»Können sich diese denn schnell genug anpassen?«

Ich kann mir schwer vorstellen, dass in zehn, zwanzig Jahren noch viele der heutigen Dax-Unternehmen existieren. Start-ups werden Konzerne verdrängen. Denn Digitalisierung wird meist falsch verstanden. Viele Unternehmen haben einen CIO eingestellt, der Daten analysieren lässt. Letztendlich geht es bei Digitalisierung aber darum, die Lerngeschwindigkeit im Unternehmen zu erhöhen. Man muss nicht immer wieder etwas ausprobieren, Daten bringen sofort exakte Ergebnisse. 

»Was machen die etablierten Unternehmen konkret falsch?«

Das Problem ist deren Kultur, die lässt sich nur extrem schwer verändern. Obwohl die Datenanalyse neue objektive Fakten schafft, werden in Konzernen weiter politisch motivierte Entscheidungen getroffen. Sie reagieren falsch oder zu langsam.

Trivago Office Barcelona

Trivago Office NY Subway

»Unterstellen Sie den Konzernen, sie seien nicht lernfähig?«

Das Problem ist: Die neuen Fakten bleiben irgendwo in den Hierarchien stecken. Es gibt zu viele Leute, die an Altbewährtem hängen, die ihre Position und ihre Titel behalten wollen.

„Wichtig ist für uns vor allem, dass Menschen intrinsisch motiviert sind, bei uns zu arbeiten. Wir versuchen, möglichst wenig mit extrinsischer Motivation zu arbeiten, mit Status, Titeln und so weiter. Wir wollen Mitarbeiter darüber motivieren, was sie bei uns tun.“

»Deshalb stellt Trivago ganz bewusst Mitarbeiter ohne Berufserfahrung ein?« 

Unsere Leute sollen möglichst unbelastet von anderen Firmenkulturen an Dinge herangehen. Bei Trivago gibt es kaum Hierarchien oder tolle Jobtitel. Denn die führen nur dazu, dass Informationen nicht mehr ausgetauscht werden.

»Auch Trivago ist kein überschaubares Start-up mehr. Wie wollen Sie mit mehr als 1.000 Leuten schnell und beweglich bleiben?« 

Je größer eine Organisation, desto ineffektiver wird sie. Denn es sind immer mehr Abstimmungen nötig. Trotzdem möglichst agil zu bleiben, das ist eine Herkulesaufgabe. Die ist viel entscheidender, als einen weiteren Markt zu erobern. Auch Trivago könnte noch viel produktiver sein. Jeder Einzelne sollte unternehmerisch denken. 

»Aber wie kann das gelingen?« 

Gerade probieren wir extreme Jobrotation aus. Ich habe vorher Marketing gemacht, jetzt bin ich für Produkte zuständig. Als Führungsteam können wir nur das von unseren Leuten verlangen, was wir selbst vorleben. Später sollen alle rotieren. Damit die Mitarbeiter noch mehr als Unternehmen denken – und nicht als Abteilung. 

»Bleibt Fachwissen bei der Jobrotation nicht auf der Strecke?« 

Fachkompetenz wird überschätzt, Menschen sind lernfähig. Wir haben Techniker, die jetzt Personaler sind, oder Marketingleute, die ein Technikteam leiten. Verschiedene Perspektiven sind wichtig. Nur so bleiben Unternehmen innovativ. […] 

© Copyright 2018 trivago


Kurzvita Rolf Schrömgens, Trivago-Chef

Nach BWL-Studium in Essen-Duisburg und an der HHL Leipzig gründete Rolf Schrömgens, 40, das Verbraucherportal Amiro mit, das in Ciao aufging. Microsoft kaufte Ciao für 500 Millionen Dollar. 2005 gründete er mit Peter Vinnemeier und Malte Siewert die Hotelsuchmaschine Trivago. 2013 stieg das US-Reiseportal Expedia als Mehrheitseigner ein. Im Dezember ging Trivago an die Nasdaq.

DIESER ARTIKEL IST IN DER FOLGENDEN GESAMTAUSGABE DER A·NETWORK „Agilität“ ERSCHIENEN

Agilität

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