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© SAP SE / Andreas Pohlmann
»Wir müssen Dinge
auf den Kopf stellen,
der Kunde hat das Sagen.«

Das Atreus Online Magazin für Interim Management
Ausgabe 22 | Mai 2018

Der CEO des Softwarekonzerns SAP, Bill McDermott, im Interview

»Viele Menschen fürchten Globalisierung und Digitalisierung, weil sie sich überfordert fühlen oder schlicht Jobs verschwinden. Sind die Sorgen berechtigt?«

Viele Menschen fühlen sich vom digitalen Zeitalter abgehängt und sagen das auch. […] Auch wenn neue Technologien Aufgaben automatisieren, bleiben immer noch genügend Jobs übrig, die der Mensch besser beherrscht als Maschinen. Dazu brauchen wir ein starkes Engagement für Aus- und Weiterbildung, hier spielen auch Unternehmen eine wichtige Rolle. 

»Das Vertrauen der Menschen in die Lösungskompetenz der Politik ist nicht gerade ausgeprägt.«

Das stimmt. Regierungen sollten sich wieder große Ziele setzen. Zum Beispiel, Krankheiten wie Krebs zu bekämpfen und zu besiegen. Mit Prinzipien wie Design-Thinking ist vieles möglich … 

»… also eine bei SAP beliebte Methode zur Produktentwicklung, die den Nutzer in den Mittelpunkt stellt.«

Exakt. Deutschland hat bei der Industrie 4.0 gute Arbeit geleistet, ebenso beim Internet der Dinge und in der Telekommunikation, aber nicht beim E-Government oder Smart Citys. Dabei bietet sich hier eine riesige wirtschaftliche Chance. Mein Wunsch ist: Nehmt Daten ernst und erkennt die Potenziale. Wenn man das Datenproblem nicht löst, wird fast alles andere auch schwierig. Das geht nur mit moderner Technologie. 

 

»Alle Verantwortlichen der Industrie­konzerne in Europa fragen mich das Gleiche: ›Wie können wir schneller und agiler werden?‹« 

»Welche Rolle kann SAP bei der digitalen Transformation in Deutschland spielen?«

SAP ist die renommierteste und wertvolls­te Technologiefirma in Deutschland und der wertvollste Konzern im Dax. Es ist selbstverständlich, dass wir uns für die Digitalisierung starkmachen. Alle Industriekonzerne in Europa nutzen SAP. Die Verantwortlichen fragen mich alle das Gleiche: „Wie können wir schneller und agiler werden? Wie haben wir unsere Daten stets griffbereit?“ Mit SAP-Technologie geht all das in Echtzeit. Die Wände einer Fabrik lassen sich nicht digitalisieren. Aber bei Prozessen innerhalb der Firma und der Zusammenarbeit mit anderen können wir helfen. 

»Anders als früher rückt SAP den Kunden immer stärker in den Fokus. Was bedeutet das konkret?« 

Ich treffe die IT-Chefs und CEOs unserer größten Kunden regelmäßig. In diesen Treffen bemühen wir uns um einen ehrlichen Austausch: Was machen wir gut, was können wir verbessern? Das ist unsere Vision – was haltet Ihr davon? Und wie können wir sie gemeinsam erreichen? Was wir dabei lernen: Die Kunden wollen Echtzeittechnologie. Sie wollen E-Commerce auf allen Kanälen, um mit ihren Kunden überall in Kontakt zu sein, auch in den sozialen Medien. 

»Braucht der Fokus auf den Kunden eine neue Führungskultur, die dem einzelnen Mitarbeiter mehr Macht und Einfluss lässt?«

Kein Topmanager sollte dem Fortschritt im Wege stehen. Wir müssen Dinge auf den Kopf stellen, der Kunde hat das Sagen. Ob Daimler oder SAP, es müssen die Leute bestimmen, die nah am Verbraucher sind, nicht irgendwelche Manager. Das gilt nicht nur für Technologie-Unternehmen, sondern für alle Branchen. 

»Wenn der Kunde so wichtig wird – müsste SAP nicht bekannter sein?« 

Wir haben eine stärkere Marke, als die meisten denken. SAP ist unter den wertvollsten Marken der Welt auf Platz 22. 

© fotolia.com . naulicreative
 

»Die Blockchain-Technologie wird richtig groß. Sie macht Transaktionen nachvollziehbar, sie bringt Vertrauen ins Geschäft.« 

»Weit hinter den amerikanischen IT-Konkurrenten Apple oder Google.«

Das stimmt. Apple ist eine sehr starke Marke und überzeugt die Menschen durch einfache Bedienbarkeit. Aber auch Apple nutzt SAP und hat sogar eine der größten SAP-Installationen der Welt. Wir mögen hinter den Kulissen sein, aber wir spielen am Ende eine wichtige Rolle für den Verbraucher.  

»Stört es Sie nicht, dass nur wenige Experten über SAP reden? Selbst in Deutschland!« 

Sie haben recht. Aber unsere Marke verändert sich gerade. Wir erzählen die Geschichte aus den Augen unserer Kunden. Es ist doch so: Das Geschäft mit Firmenkunden ist großartig, wir haben einen Marktwert von fast 100 Milliarden Euro. Und da nur wenige Leute von uns wissen, wollen wir das ändern. Wir fangen an bei den jungen Leuten in der Uni und gehen in neue Märkte und Branchen. Wir positionieren die Marke SAP als den Problemlöser für Firmen, die sich mit ihren Kunden vernetzen wollen. Und übrigens verkaufen wir über sap.com auch direkt an Kunden. 

»Werden Sie mehr Geld für Werbung ausgeben?«

Nein, wir werden nicht mehr Geld ausgeben, sondern die SAP-Geschichte besser erzählen. 

»Ein typisch deutsches Problem: Es gibt brillante Produkte, aber es hapert an der Vermarktung. In Amerika ist es oft umgekehrt.

Amerika muss ein bisschen mehr wie Deutschland sein und Deutschland ein bisschen mehr wie Amerika. Was für uns toll ist: Wenn man deutsche Ingenieure und ein bisschen amerikanisches Marketing kombiniert, hat man eine mächtige Mischung.

»Viele Kunden zögern allerdings immer noch, neue Technologien wie die SAP-Datenbank Hana oder Cloud-Dienste einzuführen. Wie wollen Sie die überzeugen?«

Wenn Firmen nicht investieren, gibt es dafür einen tieferen Grund. Oft verstehen sie die Vorteile des Produkts nicht, oder sie brauchen eine klare Strategie, wie sie von A nach B kommen. Letztlich müssen wir ihren Erfolg garantieren und an ihrer Seite sein. […]

 

»Wir haben 22.000 brillante Entwickler, die besten der Welt, wir mussten sie nur von der Kette lassen.« 

© SAP AG


Bill McDermott

Der 55-Jährige begann seine Karriere bei Xerox, wo er zunächst Kopierer und Drucker verkaufte und schließlich in den Vorstand aufrückte.  Nach 17 Jahren wechselte er zum Marktforscher Gartner, dann zum  Softwarespezialisten Siebel. 2002 stieg McDermott bei SAP ein: Er brachte das schwächelnde US-Geschäft auf Vordermann und rückte 2008 in den globalen Vorstand auf. 2010 übernahm er mit Jim Hagemann Snabe den CEO-Posten.  Seit dessen Rückzug ist der Amerikaner alleinverantwortlich. 

 

»Wir positionieren die Marke SAP als den Problemlöser für Firmen, die sich mit ihren Kunden vernetzen wollen.« 

»Viele Technologiefirmen setzen auf das Thema künstliche Intelligenz. Was plant SAP?«

Wir wollen der führende Anbieter von maschinellem Lernen im Firmenkundengeschäft werden, ohne Wenn und Aber. Unser Ziel ist, die intelligentesten Geschäftsanwendungen zu entwickeln. Daher treiben wir maschinelles Lernen mit allem voran, was wir haben. 

»Wie viele Entwickler beschäftigen sich mit maschinellem Lernen?« 

Es sind momentan um die 100, aber es werden ständig mehr. Es geht aber ohnehin nicht um die Zahl, sondern um die Qualität. Ein Meister ist so viel wert wie 20 Schüler. 

»Konkurrenten wie Salesforce und Oracle investieren zudem kräftig in Übernahmen.  Bei SAP herrscht an dieser Front Stillstand. Warum?« […] 

Das Gute bei SAP ist: Wir haben bereits die Übernahmen gestemmt, die nötig waren, um SAP strategisch weiterzuentwickeln. 2010, als Jim Snabe und ich CEOs wurden, mussten wir einiges tun, um die Firma in die Cloud zu bringen. Dafür haben wir Success Factors, Ariba und Concur gekauft. Heute ist SAP eine Cloud-Company. Wir haben 22.000 brillante Entwickler, die besten der Welt, wir mussten sie nur von der Kette lassen und auf die wichtigsten Themen ansetzen. Dafür brauchen wir kein kleines Start-up als Beteiligung. 

»Wie ernst nehmen Sie die Konkurrenten Oracle, IBM und Microsoft? Kann SAP beim Kampf im Markt für Datenbanken aufholen?«

Hana wird nicht nur der De-facto-Standard für In-Memory-Datenbanken sein … 

»… also bei Systemen, die alle Daten im Arbeitsspeicher vorhalten und dadurch besonders schnell sind …«

… Hana ist eine der am stärksten wachsenden Datenbanken der Welt. SAP wird führend sein unter den Datenbankanbietern der Welt.

»Können Sie die großen Rivalen überholen?«

Es gibt ausreichend Möglichkeiten für Firmen wie Oracle, Microsoft und IBM, um ein erfolgreiches Datenbankgeschäft zu betreiben. Für uns ist es wichtiger, den Datenbankmarkt neu zu definieren, anstatt andere zu überholen. Die Datenmenge verdoppelt sich alle zwölf Monate – es ist also nicht nötig, auf Kosten anderer etwas zu gewinnen.

»Vor einigen Jahren haben Sie auf die Cloud gewettet. Was ist der nächste Technologiesprung?«

Die Blockchain-Technologie wird richtig groß. Sie macht Transaktionen nachvollziehbar, sie bringt Vertrauen ins Geschäft. Es ist eine disruptive Technologie, ganze Firmen werden deswegen verschwinden. Wir werden eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, den Vermittler verschwinden zu lassen und Geschäfte zu ermöglichen. Und Hana von SAP wird dabei im Zentrum stehen.

»Vor einem Jahr hatten Sie einen schweren Unfall und sind auf einem Auge erblindet. Heute erlebt man Sie so agil und tatendurstig wie nie zuvor. Wie lange können und wollen Sie den Job als SAP-Chef noch machen?« 

Wer seinen Job liebt, denkt nicht ans Aufhören. Ich möchte dazu beitragen, das fantastische Potenzial von SAP zu erschließen. Solange mir der Aufsichtsrat das zutraut, stehe ich als CEO zur Verfügung. 

»Herr McDermott, vielen Dank für das Interview.«

 

»Wir brauchen kein kleines Start-up als Beteiligung.« 

DIESER ARTIKEL IST IN DER FOLGENDEN GESAMTAUSGABE DER A·NETWORK „Agilität“ ERSCHIENEN

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