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Das Atreus Online Magazin für Interim Management
Ausgabe 22 | Mai 2018

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Dr. Harald Linné,
Managing Partner und Mitglied des Executive Board 

E-Mail an Dr. Harald Linné

Kritische Erfolgsfaktoren der Digitalen Transformation

Daimler-CEO Dieter Zetsche hat die Formulierung „go digital or go home“ geprägt. Doch wie genau lässt sich diese Zukunftsformel erfolgreich umsetzen? Ein Blick auf kritische Erfolgsfaktoren für Unternehmen. Ein Beitrag von Dr. Harald Linné

Diejenigen CEOs, die sich intensiv mit der Digitalisierung ihres Unternehmens auseinandersetzen, denken Businessmodell und Wertschöpfungskette komplett neu. Sie fragen sich, warum und wie sie sich heute aufstellen müssten, wenn sie ihre Firma oder einen Funktionsbereich als digitales Geschäft neu erfinden würden. Diese „digitalen CEOs“ denken vom Kunden oder vom Anwender her. Im ersten Schritt geht es vor allem darum, den Geschäftszweck neu zu formulieren.

Ganzheitliche Prozesse

Onlineprozesse, insbesondere Marketing- und Serviceprozesse, sollten durchgehend mit den Kernprozessen eines Unternehmens wie Buchhaltung, Einkauf und Logistik verbunden sein. Der Einkauf beispielsweise nimmt im Onlinegeschäft zusammen mit dem Marketing bzw. in der Sortimentsgestaltung und im Pricing mittlerweile eine Schlüsselrolle ein. Er sieht, welche Produkte im Onlinegeschäft zu welchem Preis nachgefragt werden. So kann der Einkauf attraktive „Product-Bundles“ entwickeln, gezielt zeitbezogene Preisstrategien fahren, auf Rezensionen reagieren und Abverkäufe steuern. Der Onlinehändler Amazon ändert beispielsweise seine Preise millionenfach pro Tag.

Moderne IT

Erst eine moderne, Cloud-basierte IT schafft die Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung der Digitalstrategie. Da viele Unternehmen ältere ERP- und IT-Systeme im Einsatz haben, die keine Transparenz über die benötigten Realtime-Daten und Kennzahlen liefern, müssen Zwischenlösungen her. Häufig bildet der Einstieg in die Digitalisierung den Startpunkt für eine Konsolidierung der IT-Landschaft. Eine erfolgreiche Digitalisierung setzt nicht unbedingt den Einsatz aller heute am Markt gängigen Tools (CMS, DWH, BI, CRM) voraus, denn weniger ist bekanntlich mehr. Selbst einige führende Onlineanbieter haben ihre IT-Performance nicht unter Kontrolle und leiden unter mangelnder logistischer Verfügbarkeit und unzureichender IT-Performance.

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Hochqualifiziertes Management

Neben den Prozessen und der IT-Struktur entscheidet vor allem die Qualität des Managements über den Erfolg der Digitalen Transformation. Wenn es um die größten Blockaden im Rahmen ihrer Business-Transformation geht, verweisen sowohl Unternehmen, die mit der Digitalisierung ihres Geschäftsmodells begonnen haben, als auch führende E-Commerce-Unternehmen in der Regel auf das bestehende Management. Das überrascht nicht, ist die „Disziplin“ Digitalisierung doch relativ neu für deutsche Unternehmen. Demnach gibt es aktuell nur wenige digital kompetente Führungskräfte mit entsprechenden Erfahrungen und Kenntnissen. Zudem sind diese wenigen Führungskräfte, die das Digitalisierungs-Metier professionell beherrschen, schwer zu finden. Echte Digitalisierungsmanager, allen voran die IT-Nerds der Generation Y, streben nicht unbedingt eine Festanstellung in einem Unternehmen an. Sie präferieren vielmehr ihren eigenen Wohnsitz, nicht selten in den deutschen E-Commerce-Hochburgen wie Berlin oder München. Statt Dienstwagen und langfristig geplanten Karrierepfaden haben sie andere Prioritäten: ausgesprochen flexible Arbeitszeiten, flexibles Arbeiten zwischen Büro und Homeoffice, modernste IT-Ausstattung. All diese Komponenten sind häufig deutlich wichtiger als ein geleaster Firmenwagen gehobener Klasse. 

Neue Kultur und Arbeitsorganisation

Das Thema Kultur und Arbeitsorganisation dürfte die wahrscheinlich größte Veränderung zur klassischen Arbeitswelt darstellen. Ist das Kerngeschäft häufig nach tayloristischen Prinzipien im Sinne einer Spezialisierung organisiert, steht in der Onlinewelt der Teamansatz klar im Mittelpunkt. Statt Egoismus und Silodenken gilt es, Teamkultur und gut vernetzte Einheiten sicherzustellen: gemeinsame Ideenfindung, beispielsweise in Form von Design-Thinking-Workshops, gemeinsame Abstimmung von Themen mit Fachexperten unterschiedlicher Abteilungen sowie vor allem die schnelle Umsetzung mittels moderner Verfahren. Agile Entwicklung, Einsatz von Entwicklungsmethoden wie Scrum, zweiwöchige Sprints und Rapid Prototyping, ständige Datenanalysen, Überprüfung des Erreichten und neues Setzen von Prioritäten für den nächsten Sprint: Das alles sind substanziell andere Arbeitsweisen, die sich grundlegend vom Wasserfallmodell unterscheiden, das in vielen Unternehmen noch immer vorherrscht.

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„Agile Entwicklung, Einsatz von Entwicklungsmethoden wie Scrum, ständige Datenanalysen, Überprüfung des Erreichten und neues Setzen von Prioritäten: Das alles sind substanziell andere Arbeitsweisen.“

Fehlerkultur zulassen

Natürlich machen auch Digitalisierer Fehler – doch dafür lernen sie schnell daraus. Das Motto lautet: try fast, fail fast. Um neue Ideen und vor allem eine hohe Innovationsgeschwindigkeit zu fördern, ist die kontinuierliche Innovationsförderung eine wichtige Geisteshaltung. Querdenker sollten ausdrücklich erwünscht sein.

Changemanagement

Die Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie ist für jedes Unternehmen ein großes Veränderungsprojekt. Solche Veränderungen drohen zu scheitern, wenn die Führung und die Mitarbeiter nicht abgeholt und durch ein professionelles Changemanagement auf den neuen Weg mitgenommen werden. Changemanagement bedeutet vor allem ständige Kommunikation, intensives Training, Diskussionen über die Auswirkungen des neuen Geschäftsmodells und den Umgang mit Kanalkonflikten zwischen Kern- und neuem Onlinegeschäft. Hier muss der CEO eine Schlüssel- und Vorbildrolle übernehmen.