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Maschinenbau und Digitalisierung: Eine Branche im Zwiespalt

Die deutsche Konjunktur läuft auf Hochtouren. Die Nachfrage nach Qualität „Made in Germany“ reißt nicht ab – im Gegenteil. Deutschlands Maschinenbauer stehen so gut da wie seit Jahren nicht mehr. Doch zugleich befindet sich unsere Vorzeigebranche auf unterschiedlichen Etappen ihrer digitalen Reise.

Die Branche der Maschinenbauer hat laut VDMA im Jahr 2017 einen starken Jahresendspurt hingelegt und deutlich mehr Aufträge verzeichnet als im Vorjahr. Besonders die gestiegene Nachfrage aus dem Inland kurbelte die Geschäfte an.

„Wer innerhalb der Maschinenbaubranche nicht jetzt schon den Transformationsprozess in Gang gesetzt hat, der droht nicht nur den Anschluss, sondern auf mittlere und längere Sicht den Wettbewerb mit den ganz Großen zu verlieren.“

Sascha Hackstein

Trotzdem gibt es bei der Schaffung der digitalen Infrastruktur nach wie vor große Defizite und viele Verantwortliche in der Industrie scheinen zu glauben, dass die bisherigen Erfolgsmodelle einfach weiter funktionieren. Gegen Ende des letzten Jahres gab es in den Chefetagen vieler Unternehmen mutmaßlich eine Welle der Zufriedenheit. Mit Blick auf die erneuten Rekordergebnisse kein Wunder. Doch jetzt jagt bereits wieder ein Meeting das nächste – neue Zahlungsmodelle wie die Blockchain stehen vor der Tür, die digitale Transformation ist immer noch nicht geschafft und das neue Geschäftsmodell lässt ebenfalls noch auf sich warten. Während die Zahlen also ein positives Signal senden, hält der digitale Wandel nur sehr langsam Einzug in die deutschen Unternehmen.

Auf den zweiten Blick trübt sich das Bild noch weiter. Denn auch im Jahr 2017 scheiterten eine große Anzahl prominenter Unternehmen durch Fehler auf höchster Managementebene. So führten die veränderten Rahmenbedingungen zu einer Vielzahl von aufsehenerregenden Großinsolvenzen. Zu den populärsten Niedergängen des vergangenen Jahres zählen wohl Air Berlin, SolarWorld oder die Reederei Rickmers.

Und etwa 15 Prozent der Unternehmen sind Medienberichten zufolge sogenannte Zombie-Unternehmen, die nur noch existieren, weil sie sich derzeit so viel billiges Geld leihen können. Diese „Zombies“ schaden nicht nur in erheblichem Maße ihren Wettbewerbern, sie bedrohen unter Umständen ganze Lieferketten. Die Erfahrung mit den großen Pleiten zeigt, dass es bei einer ganzen Anzahl von Unternehmen bisher verpasst wurde, zukunftsfähige Konzepte zur Weiterführung zu entwickeln. Hier ist nun ein Umsteuern dringend notwendig.

Zeitmangel als Hemmnis der Digitalisierung im Maschinenbau

Doch es fehlt die Zeit, intensiv und umfassend Pläne für die Zukunft zu schmieden. Wer innerhalb der Maschinenbaubranche nicht jetzt schon den Transformationsprozess in Gang gesetzt hat, der droht nicht nur den Anschluss, sondern auf mittlere und längere Sicht den Wettbewerb mit den ganz Großen zu verlieren. Deutsche Industrieunternehmen müssen künftige Entwicklungen antizipieren statt nur zu reagieren, um den Markt weiterhin zu prägen und anzuführen.

Innovations-, Transformations- und Veränderungsfähigkeit bleiben die Erfolgskriterien einer zukunftsfähigen Positionierung der Unternehmen. Nur so lässt sich das Nutzenversprechen von Industrie 4.0 einlösen: smartere Fabriken, smartere Produktionsanlagen, die Digitalisierung der gesamten Prozesskette und eben auch völlig neue Geschäftsmodelle.

Denn die Smart Factory bietet Chancen, aber auch Herausforderungen für die Produktionstechnik der Zukunft. Das Konzept der vernetzten Fabrik ist insbesondere für Unternehmen mit einer auf viele Standorte verteilten Wertschöpfungskette attraktiv. Doch auch kleinere Betriebe können so ihre Produktionsprozesse beschleunigen und flexibler gestalten.

© chombosan – fotolia.com

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Predictive Maintenance als Chance

Neben den klassischen Service-Prozessen wie Wartung und Reparatur werden immer häufiger auch neuere Ansätze und Instrumente der Kundeneinbindung in den Fokus rücken: Service-Portale, Service-Apps oder die Verwendung maschinenbezogener Kundendaten für Remote-Service-Konzepte. Die Digitalisierung ermöglicht neue Geschäftsmodelle für den Maschinenbau, doch die Umsetzung muss gewollt sein. Und genau da hapert es schon: Viele Entscheider in der Industrie sehen noch immer keine Notwendigkeit ihre Unternehmen digital zu transformieren, denn derzeit strotzen sie vor Kraft und schreiben ihre Erfolgsgeschichte fort.

Doch genau hier liegt der Fehler. Es ist nur zu menschlich, sich auf dem Erfolg des aktuellen Standes auszuruhen und davon auszugehen, dass sich das gleiche Modell einfach in der nächsten Periode fortsetzen lässt. In den volatilen Zeiten von heute ist diese Denkweise jedoch wenig zielführend, mehr noch, sie ist schädlich. Starke Marktpositionen sind nicht zementiert und werden ohne stetige Innovationsbereitschaft eingebüßt werden. Um die augenblickliche Ertragslage auch in der Zukunft nutzen zu können, braucht es jetzt den unbedingten Willen zu Handeln. 

Schneller und agiler werden, heißt nach wie vor die Devise. Das operative Geschäft boomt und die digitale Transformation muss vorangetrieben werden. Ist es ausreichend, zu optimieren? Sollten einige Player am Markt nicht besser ein Start-up kaufen?

Wissen Sie eigentlich, was die Digitalisierung der Geschäftsprozesse an Mehrwert bringt und welchen Wertbeitrag neue Technologien wo im Unternehmen leisten können? Wann werden sich die Investitionen amortisieren? Werden sie das jemals? Wie soll das operative Geschäft, mit dem wir doch Geld verdienen, weitergehen, wenn sich alle mit neuen Geschäftsmodellen, agilen Organisationen, Change und Lean Start-up befassen? 

Neue Ansätze im Maschinenbau

Um die deutsche industrielle Tradition mit der digitalen Welt zu verknüpfen, wird vor allem die Innovation in den Unternehmen und die Offenheit für neue Ansätze gefragt sein. Nur dann, wenn die Dimension des Wandels in den Chefetagen angekommen ist und ein „Weiter so“ nicht mehr als Option auftaucht, wird es in dieser Hinsicht vorangehen.

Denn das ist derzeit, neben einer Politik, die sich noch immer im Kompetenz-Wirrwarr verstrickt, das Haupthindernis. Und letztlich ist es dann auch zweitrangig, wie der Weg des jeweiligen Unternehmens aussieht, ob es eine Kooperation oder die Investition in ein Start-up ist. Entscheidend ist, dass gehandelt wird, dass der Weg beschritten wird: Denn der Wettbewerb wird diejenigen bestrafen, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen und danach handeln. 

Sascha Hackstein verfügt über mehr als 20 Jahre General-Management-Erfahrung im internationalen Industrieumfeld und bekleidete mehrere Geschäftsführungspositionen bei führenden produzierenden Unternehmen und im Technischen Handel. Als Direktor bei Atreus befasst er sich unter anderem mit Projekten in den Bereichen Vertrieb und Marketing, Produktion, Supply Chain Management sowie der digitalen Transformation. 
Der Artikel erschien in PRODUKTION am 12. Februar 2018. (www.produktion.de )
<link 105><strong>Zum Profil von Sascha Hackstein.</strong>&nbsp;</link>

Autor dieses Artikels: Sascha Hackstein

Sascha Hackstein verfügt über mehr als 20 Jahre General-Management-Erfahrung im internationalen Industrieumfeld und bekleidete mehrere Geschäftsführungspositionen bei führenden produzierenden Unternehmen und im Technischen Handel. Als Direktor bei Atreus befasst er sich unter anderem mit Projekten in den Bereichen Vertrieb und Marketing, Produktion, Supply Chain Management sowie der digitalen Transformation. 

Der Artikel erschien in PRODUKTION am 12. Februar 2018. (www.produktion.de )

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