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Presseartikel

Automobilindustrie: Schlingerkurs durch politische Ereignisse und Pandemie

4 min. Lesezeit

Atreus Partner & Direktor Stefan Randak analysiert die Lage in seinem Gastbeitrag in der Zeitschrift Automobilwirtschaft, 22. Dezember 2022 

Die deutsche Automobilindustrie befindet sich aufgrund von politischen Ereignissen und der Pandemie weiterhin auf Schlingerkurs. 2022 waren es vor allem die Auswirkungen durch politische Ereignisse, die für negative wirtschaftliche Folgen gesorgt haben.

Eines der größten Probleme, das sich auch 2022 fortgesetzt hat, sind die Lieferengpässe an wichtigen Rohstoffen wie Mikrochips, Stahl, Aluminium, Kupfer und sogar Holz. Diese Engpässe wurden durch Unterkapazitäten und Lockdowns in verschiedenen Ländern verursacht. Besonders in China hat die “Null-Covid-Strategie”, die zu kompletten Lockdowns in wichtigen Industrieregionen geführt hat, zu weiteren Verzögerungen beigetragen.

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„Die Zukunft der deutschen Automobilindustrie hängt von geeigneten Lösungen ab.“

Zulieferer stehen unter enormem Druck

Ukraine-Krieg zeigt Abhängigkeiten

Der militärische Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 hat der Automobilindustrie gezeigt, dass Abhängigkeiten von einzelnen Ländern oder Regionen zu Herausforderungen führen können. So mussten beispielsweise Volkswagen und BMW negative Auswirkungen aufgrund von Produktionskapazitäten in der Ukraine hinnehmen. Zudem hat der Krieg zu einer Abhängigkeit von wichtigen Rohstoffen wie Titan, Eisenerz und seltenen Erden aus der Ukraine geführt, sowie zu einer Energiekrise in Europa und Deutschland, die durch die Abhängigkeit von russischem Gas verursacht wurde.

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Taiwan-Spannungen: Auswirkungen von mangelnder Diversifikation

Die Taiwan-Spannungen hat der Automobilindustrie gezeigt, dass mangelnde Diversifikation in der Lieferkette zu Ausfällen in der Produktion führen kann. Taiwan stellt etwa zwei Drittel der weltweit nachgefragten Mikrochips her. Eine Blockade der Insel hätte somit massive Auswirkungen auf die Elektronikbranche. 

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Zulieferer in der Automobilindustrie kämpfen gegen sinkende Gewinnmargen

Eine weitere Herausforderung für die Automobilindustrie ist die wachsende Kluft zwischen Herstellern und Zulieferern. Während sich die Gewinnmargen der Hersteller erhöhen, sinken die EBIT-Margen (Gewinn vor Zinsen und Steuern) vieler Zulieferer unter 5%. Dies ist auf die Konzentration der Hersteller auf hochpreisige, lukrative Modelle sowie das Unvermögen der Zulieferer, Mehrkosten weiterzugeben, zurückzuführen.   

Die Covid-Pandemie und die daraus resultierenden Produktions- und Absatzmengenverringerungen haben zusätzlich zur weiteren Verschlechterung der Lage bei den Zulieferern beigetragen. Laut einer Studie wird die Profitabilität der Automobilzulieferer auch in den nächsten 12 Monaten deutlich niedriger als vor der Krise bleiben und es wird erwartet, dass der Margendruck weiter anhält. Der globale Umsatz wird laut der Studie sogar unter dem Niveau von 2019 liegen. Steigende Zinsen erschweren zudem notwendige Investitionen. Einige Zulieferer haben bereits Insolvenz angemeldet, wie Schneider Automotive und Borgers.

Markus Duesmann
Vorstandschef Audi
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„Da kommt was auf uns zu, wir können nichts ausschließen.“

Markus Duesmann
Vorstandschef Audi
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Verbrenner-Ausstieg in der EU: Autohersteller auf dem Weg zum Strom- und Wasserstoffantrieb

Die EU beschloss, ab 2035 keine Neufahrzeuge mit Verbrenner mehr zuzulassen. Die Autohersteller hatten sich bereits auf eine Wende zum Strom- und Wasserstoffantrieb vorbereitet. Es gibt jedoch Sorgen, wie der Strom für alle elektrifizierten Fahrzeuge in Zukunft gewonnen werden soll.

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US-Gesetz stärkt Hegemonie in der Elektrofahrzeug-Produktion

Ein neues US-Gesetz sieht vor, dass Elektrofahrzeuge nur bei einem hohen Anteil der Wertschöpfung und einer Endfertigung in Nordamerika gefördert werden. Ab 2023 müssen 40% der kritischen Rohstoffe in den USA oder einem Land mit einem Freihandelsabkommen abgebaut oder verarbeitet werden, 2026 sind es dann 80%. Bis 2028 müssen alle Batteriepacks in den USA montiert werden.

Europa ab 2025 wahrscheinlich Autoimporteur, China E-Auto-Exportland

Eine Studie von PwC zeigt, dass Europa ab 2025 zum Autoimporteur werden könnte, während sich China zum E-Auto-Exportland wandelt. Die Europäer setzen auf teure E-Autos, während die Chinesen günstige E-Autos mit neuer Technik und Konzepten auf den Markt bringen. In den Top 5 der meistverkauften E-Autos gibt es keine Europäer mehr.

Die nächsten fünf Jahre werden entscheidend für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie und ihrer Zulieferer. Einige Herausforderungen, die es zu meistern gilt, sind:

  • Lieferengpässe in unsicheren politischen Umgebungen vermeiden durch De-Globalisierung, Risikomanagement und vertretbare Lieferverträge
  • Gleichzeitiges Wachstum in den Märkten China, Nordamerika und Europa trotz Hegemoniebestrebungen  
  • Klimafreundliche Energieerzeugung (Strom, Wasserstoff) und preisgünstige Verteilung an Industrie und Endverbraucher, um den Industriestandort zu sichern  
  • Fach- und Führungskräfte rekrutieren und technischen Vorsprung zu erschwinglichen Kosten realisieren  
  • Nachhaltiges partnerschaftliches Verhältnis zwischen Zulieferern und Herstellern schaffen, um Lasten zu verteilen und Arbeitsplätze zu sichern

Lesen Sie den ganzen Artikel in der Automobilwirtschaft vom 22. Dezember 2022

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