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Markteinschätzung Maschinen- und Anlagenbau

Maschinenbauer im Spannungsfeld von Investitionsstopp und Transformation

von Stephan Haimerl

Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau – mit vergleichbaren Trends im deutschsprachigen Raum (DACH) – hat das Jahr 2026 mit Gegenwind begonnen: Der Strukturwandel in der Industrie, zunehmende geopolitische Spannungen, die Eskalation im Nahen Osten und die Unsicherheit über wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bremsen die Investitionsbereitschaft der Unternehmen spürbar. Laut ifo-Konjunkturumfrage ist der Saldo der Investitionserwartungen im Maschinenbau zwischen März und November 2025 von +0,9 auf –15,3 Punkte gefallen. Für 2025 ging der VDMA zuletzt von einem realen Produktionsrückgang von 5 Prozent aus; für 2026 erwartet der Verband bislang lediglich ein leichtes Wachstum von 1 Prozent. Im PwC-Maschinenbau-Barometer blicken 59 Prozent der befragten Unternehmen pessimistisch auf die Konjunktur, nur 14 Prozent erwarten Wachstum. Tatsächlich stottert die Produktion im deutschen Maschinen- und Anlagenbau erheblich. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung der Unternehmen liegt mit 81 % weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau. Jedes dritte Unternehmen erreicht nicht einmal eine Auslastung über der 80-Prozent-Marke.

Investitionsstau, Kosten- und Standortdruck

Parallel zur Nachfrageschwäche verschärft ein massiver Kosten- und Standortdruck die Lage. Energieintensive Wertschöpfungsschritte geraten unter Wettbewerbsdruck, weil Industriestrom in Europa im Durchschnitt zwei- bis dreimal so teuer ist wie in den USA und etwa doppelt so hoch wie in China. Deutschland bleibt dabei ein Hochkostenstandort. Hinzu kommen hohe Steuern, regulatorischer Mehraufwand und eine vom VDMA scharf kritisierte Bürokratielast. Eine Orgalim-Untersuchung zu ausgewählten Produkten der europäischen Technologieindustrien zeigt zudem, dass CBAM und der schrittweise Wegfall kostenloser ETS-Zuteilungen die Produktionskosten in Einzelfällen um bis zu 48 Prozent erhöhen könnten.

Transformation als Ausweg: Digitalisierung, Services und Internationalisierung

Trotz schwacher Konjunktur bleibt der Arbeitsmarkt in Schlüsselrollen angespannt. Im KfW-ifo-Fachkräftebarometer meldeten zu Beginn des vierten Quartals 2025 26 Prozent der Unternehmen insgesamt und 16,4 Prozent im Maschinenbau Behinderungen durch Fachkräftemangel; zugleich stieg die durchschnittliche Vakanzdauer auf 161 Tage. Besonders kritisch bleiben digitale und softwarebezogene Kompetenzen. Gleichzeitig kommt die Digitalisierung vieler Maschinenbauer nur zögerlich voran: Fraunhofer sieht erheblichen Nachholbedarf bei datenbasierten Services und Plattformen. Zwar messen über 80 Prozent der Unternehmen KI eine mittlere bis hohe strategische Bedeutung bei, doch nur rund 43 Prozent setzen KI-/ML-Lösungen bereits ein.

International nimmt der Wettbewerbsdruck zu. Laut einer Horváth-Studie erwarten rund drei Viertel der befragten Maschinen- und Anlagenbauer, in Europa Marktanteile an chinesische Wettbewerber zu verlieren; 73 Prozent rechnen mit offensiven Markteintritten chinesischer Anbieter. Gleichzeitig erwarten 60 Prozent schmerzhafte Umsatzeinbußen im US-Geschäft, und neun von zehn sehen negative Effekte der US-Handelspolitik. In einer INFORM-Befragung unter 39 Experten aus dem Maschinen- und Anlagenbau nannten 87 Prozent Unsicherheiten globaler Lieferketten als zentralen Einflussfaktor für die künftige Produktionsplanung. Für den Maschinen- und Anlagenbau bedeutet dies: 2026 wird zum Bewährungsjahr. Wer Investitionsstau, Kosten- und Standortrisiken aktiv adressiert, Lieferketten resilienter aufstellt und konsequent in Digitalisierung, Servicegeschäft und internationale Aufstellung investiert, kann gestärkt aus dieser Phase hervorgehen – viele andere laufen Gefahr, in der anstehenden Konsolidierung an den Rand gedrängt zu werden.


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Stephan Haimerl, Leiter der Atreus Solution Group Maschinen- und Anlagenbau

gibt Ihnen gerne Auskunft.

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