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Pressemitteilung
Leadership+ Studie 2025
Unternehmen scheuen wirtschaftliche Risiken und sehen Investitionen in unbekannte Technologien wie KI durchaus kritisch – erkennen aber die Notwendigkeit von Innovationen
München, 27. Oktober 2025 – Die konsequente Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Prozesse, Produkte und Fertigung ist bei zahlreichen deutschen Unternehmen des branchenübergreifenden Mittelstands derzeit noch unterentwickelt. Nicht zuletzt deshalb, da viele von ihnen nach wie vor eine erhebliche Gefahr darin sehen, in Technologien zu investieren, deren Nutzen noch nicht vollständig klar ist. Vor diesem Hintergrund ist auch die Risikobereitschaft der Unternehmen, durch den Einsatz von neuen Technologien schnelleres Wachstum und Wettbewerbsvorteile zu erreichen, momentan noch nicht sonderlich ausgeprägt. Und das, obwohl eine Offenheit für die Digitalisierung und Einführung neuer Technologien als entscheidend für den künftigen Unternehmenserfolg erachtet wird.
Spitzenführungskräfte auf C-Level-Ebene wurden befragt
Diese zentralen Erkenntnisse gehen aus der aktuellen Leadership+ Studie der Managementberatung Atreus für das zweite Halbjahr 2025 hervor, die dazu bis Ende August rund 800 Teilnehmer und Spitzenführungskräfte auf C-Level-Ebene deutscher Unternehmen eingehend befragt hat – darunter Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte, Gründer sowie Interim Manager aus verschiedenen Branchen wie dem Maschinen- und Anlagenbau, der Automobilindustrie, Konsumgüter und Handel sowie zahlreichen weiteren Industriesektoren.
Zwar gibt über die Hälfte (54 Prozent) der Studien-Teilnehmer an, dass die Einführung von KI in ausgewählten Unternehmensbereichen und -prozessen oberste Priorität für sie hat und in den kommenden 12 Monaten vermehrt in Innovationen investiert werden soll. Zudem ist die grundsätzliche Bereitschaft, Risiken einzugehen und mit einem möglichen Scheitern umzugehen, für rund zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten ein zentraler Erfolgsfaktor, um Innovationen erfolgreich zu treiben und umzusetzen. Diese Tendenzen waren bereits in der Leadership+ PreCheck-Umfrage von Atreus im Frühjahr auszumachen.
Allerdings fällt der angedachte prozentuale Anteil am jährlichen Umsatz, der in diese Bereiche investiert werden soll, nach wie vor überwiegend gering aus. Etwa ein Drittel der Befragten (32 Prozent) gibt an, dass ihr Unternehmen nur zwischen 3-5 Prozent in den Bereich Innovationen investieren möchte. Über 10 Prozent und bis hin zu 20 Prozent Investitionen sind lediglich von 12 Prozent der Unternehmen angedacht.
Unternehmen tun sich mit konsequenter Umsetzung schwer
Hinzu kommt nun, dass fast 30 Prozent der Unternehmen aktuell nur wenig bereit sind, tatsächlich größere Risiken einzugehen, um somit schnelleres Wachstum und Wettbewerbsvorteile durch neue Technologien zu erreichen. Gerade mal gut 11 Prozent der Unternehmen sind dagegen risikoaffiner und daher sehr bereit oder sogar sehr stark bereit, den Schritt ins Ungewisse zu wagen, um schneller wachsen zu können und gegenüber der Konkurrenz Technologievorteile zu erlangen.
Die Ergebnisse der aktuellen Leadership+ Studie verdeutlichen in diesem Zusammenhang, dass die Transformation der Unternehmen und die Notwendigkeit des Wandels hin zum Einsatz von mehr technologiegetriebenen Lösungen zwar für viele Unternehmen von immer größerer Bedeutung ist und auch erkannt wird, sie sich mit der konsequenten Umsetzung aber schwertun.
Dr. Harald Linné, Managing Partner und Mitgründer von Atreus, kommentiert: „Die Unternehmen sind sich einerseits der Wichtigkeit von Innovationen und der Notwendigkeit des umfassenden Einsatzes von KI für ihren künftigen Erfolg zwar bewusst und auch bereit, dafür Geld in die Hand zu nehmen und ihre Mitarbeiter zu schulen und weiterzuentwickeln. Anderseits ist die Bereitschaft, wirklich neue Wege zu gehen, d.h. Prozesse, vor allem in Bezug auf die Kunden signifikant zu vereinfachen und zu digitalisieren sind, durchaus noch sehr ausbaufähig. Hier sind andere Länder insgesamt schon weiter und uns deshalb teils deutlich voraus. Innovationen, vor allem digitale Innovationen, kommen immer mehr aus USA und China. Daher sind die deutschen Unternehmen dringend gefordert, das Thema Innovation noch viel zielstrebiger und konsequenter anzugehen und vor allem erfolgreich umzusetzen“, verdeutlicht der Co-CEO.
Finanzielle Performance der Unternehmen fällt nicht besonders gut aus
In Anbetracht der aktuellen Konjunkturdelle und der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute kann es losgelöst davon kaum überraschen, dass die finanzielle Performance der Unternehmen, für die die Befragten aktuell tätig sind oder zuletzt tätig waren, im ersten Halbjahr 2025 nur zu einem geringen Anteil stärker als erwartet ausgefallen ist. Lediglich bei gut 12 Prozent lag die Performance um weniger als 25 Prozent über dem angepeilten Zielwert – während sie in Summe bei rund 44 Prozent um unter 25 Prozent oder sogar um mehr als 25 Prozent unter dem Zielwert lag.
Aufgrund der teils schwierigen Lage für die Unternehmen in der ersten Jahreshälfte fällt die allgemeine Erwartungshaltung für das mittlerweile laufende zweite Halbjahr denn auch eher verhalten aus: Immerhin rund 31 Prozent rechnen damit, dass die Performance sogar etwas besser sein wird als in der ersten Jahreshälfte. Dem gegenüber steht jedoch auch ein Anteil von 21 Prozent, die davon ausgehen, dass die Performance etwas schlechter ausfallen wird.
Rainer Nagel, ebenfalls Managing Partner und Mitgründer von Atreus, ordnet ein: „Dass die Situation für die Unternehmen in Anbetracht multipler Krisenszenarien aktuell sehr herausfordernd ist, ist klar und sicher auch eine Folge der schwierigen geopolitischen Gesamtlage. Daher sind gerade die Unternehmen aus Deutschland gut beraten, weiterhin umsichtige und wohlüberlegte Entscheidungen im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten zu treffen und gleichzeitig so innovationsfreudig wie möglich zu sein und vor allem selbst zu gestalten. Innovation bietet aktuell so viele Chancen wie selten zuvor – aber nur für diejenigen, die das Heft des Handelns in die Hand nehmen und gestaltend agieren. Abwarten ist keine Option“, unterstreicht der Co-CEO.
Um die strategischen Ziele der Unternehmen im laufenden und für das neue Geschäftsjahr erreichen zu können, sind daher neben der Anpassung des Geschäftsmodells (65 Prozent) und der strategischen Mitarbeiterergänzung für Innovationskompetenz und Produktinnovationen (jeweils 43 Prozent) auch die technische Modernisierung (33 Prozent) sowie die Automatisierung der Fertigung (22 Prozent) von zentraler Bedeutung.
Kritik an wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen
Die Unternehmen sehen aber auch die Politik in Deutschland in der Pflicht, ihnen bessere Rahmenbedingungen zu ermöglichen, um im internationalen Wettbewerb nicht abgehängt zu werden. Mit überwältigender Mehrheit von 84 Prozent kritisieren die Befragten nämlich die fehlende Reduzierung von Bürokratie und den Mangel an flexiblen Regelungen, die den Unternehmen bei der Förderung von Innovationen helfen würden. Sie fordern hier eine aktivere Rolle von der Regierung ein. Rund 44 Prozent der Befragten wünschen sich außerdem mehr finanzielle Unterstützung (etwa Förderungen, steuerliche Vorteile etc.), während rund ein Drittel der Studien-Teilnehmer (31 Prozent) sich Beschleunigungsimpulse für kleinere und mittelgroße Unternehmen (KMUs) erhofft. Der Einsatz von Interim Managern oder unabhängigen Beratern nimmt derweil stetig zu. Über die Hälfte der Befragten gibt an, dass diese Experten gelegentlich oder sogar regelmäßig in ihren Unternehmen eingesetzt werden. Mit Blick auf die fortwährenden Sondersituationen und den hohen Restrukturierungs- und Transformationsbedarf bei Unternehmen in den aktuellen Krisenzeiten ist diese Entwicklung eine logische Folge.
Pressekontakt:
Atreus GmbH
Sabine Dreesen (Leitung Marketing), dreesen@atreus.de, +49 89 45 22 49 420
WBCO Public Relations & Business Communications GmbH
Frank Wöllstein, f.woellstein@wbco.de, +49 69 1338 8035
Die vollständigen Studienergebnisse finden Sie hier: