

Atreus Expertentalk
Wie Digitalisierung, AI und Datenstrategie den Maschinenbau neu ordnen
Wandel meistern: Digitalisierung im Maschinen- und Anlagenbau
Digitalisierung entscheidet im Maschinen- und Anlagenbau über Margen und Wettbewerbsfähigkeit. Philipp Mayer, Managing Director von Codestryke, diskutiert mit Dr. Kristin Nagel und Markus Zahn, wie digitale Services, AI, digitale Zwillinge und neue Führungsmodelle den deutschen Maschinenbau verändern – und warum Handeln jetzt Pflicht ist.
„Die Leute bleiben nicht mehr 30 Jahre lang beim produzierenden Unternehmen und sind die perfekten Maschinenbediener […] Das heißt, jetzt muss man überlegen, wie kann man trotzdem jemanden haben, der die Maschine gut bedient?“
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Digitalisierung als strategischer Motor im Wettbewerb
Digitalisierung ist im Maschinenbau vom F&E-Spielplatz zum zentralen Wettbewerbsfaktor geworden. Produktmanagement und Vertrieb nutzen digitale Angebote heute gezielt als USP gegenüber dem internationalen – vor allem asiatischen – Wettbewerb, der vergleichbare Maschinen zu deutlich niedrigeren Preisen anbietet. Mayer betont: IT und Daten sind zum strategischen Motor geworden – nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern als Hebel zur Differenzierung und Margensicherung im globalen Wettbewerb.
„Die AI kann autonom oder halbautonom Prozesse optimieren oder Optimierungsvorschläge geben“
Digitale Services, AI und Zwillinge: Von der Maschine zum Geschäftsmodell
Codestryke fokussiert auf Digitalisierung als Produkt-Add-on und neue Services rund um die Maschine – weniger auf interne Prozessdigitalisierung. Mayer sieht zwei starke Einsatzfelder für AI: Serviceunterstützung durch Zugriff auf Unternehmenswissen und Prozessoptimierung bzw. Maschinenbedienung vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. „Die AI kann autonom oder halbautonom Prozesse optimieren oder Optimierungsvorschläge geben“, so Mayer. Digitale Zwillinge ermöglichen adaptive Steuerung ganzer Anlagen mit ROIs von ein bis zwei Jahren.
Time-to-Market, Modularität und technologische Unabhängigkeit
Angesichts „Chinese Speed“ sieht Mayer den deutschen Maschinenbau gezwungen, Entwicklungszyklen massiv zu verkürzen. Die Verzahnung von CAD/CAM, Simulation und IoT-Daten macht Produktentwicklung schneller und bedarfsgerechter – weg von überdimensionierten „Blackbox“-Maschinen. Gleichzeitig müssen Unternehmen die Balance zwischen Individualisierung und Modularisierung finden, etwa über einheitliche Datenmodelle und komponentenbasierte Architektur. Dabei warnt Mayer vor Lock-in-Effekten durch proprietäre Software und plädiert für Offenheit und Open-Source-Komponenten.
Führung, Fachkräfte und Ökosysteme: Warum das C-Level entscheidet
Für den Erfolg digitaler Initiativen ist aus Mayers Sicht vor allem entscheidend, „wie arg steht das C-Level hinter dem Thema Digitalisierung?“ Projekte sind deutlich erfolgreicher, wenn Digital-Produktmanagement nah am Vertrieb verankert und vom Top-Management klar strategisch unterstützt wird. Angesichts Fachkräftemangel müssen Maschinenbauer externe Partner gezielt zur Schließung von Kompetenzlücken nutzen, ohne „das Zepter aus der Hand zu geben“. Mayer sieht punktuelle Kooperationen mit Technologiepartnern und Hochschulen als sinnvoll, ist aber gegenüber großen, herstellerübergreifenden Ökosystemen skeptisch, da viele Initiativen bisher am Markt gescheitert sind.
