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Atreus Expertentalk

Geschäftsmodelle als unterschätzter Hebel der Transformation

Dr. Christian Kohlpaintner: Wie Chemieunternehmen mit neuen Geschäftsmodellen Wert neu definieren

Im Atreus Expertentalk diskutiert Sabine Brunthaler mit Dr. Christian Kohlpaintner, Advisor bei Atreus und langjähriger Chemie-CEO, warum die Transformation von Geschäftsmodellen in der Chemieindustrie unterschätzt wird. Sie zeigen, wie klare Werttreiber-Analysen, Mut im Top-Management und externe Expertise nachhaltiges Wachstum ermöglichen.

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Dr. Christian Kohlpaintner
Aufsichtsrat Evonik Industries AG / Biesterfeld SE
D

„Ich glaube, das ist die weitgehend unterschätzte Möglichkeit, tatsächlich erfolgreiche Transformationen zu machen.“

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Geschäftsmodelle: Der blinde Fleck vieler Transformationsprogramme

Für Dr. Christian Kohlpaintner ist die Neuausrichtung von Geschäftsmodellen „die weitgehend unterschätzte Möglichkeit, tatsächlich erfolgreiche Transformationen zu machen“. Unternehmen hielten zu stark an bestehenden Strukturen, Prozessen und Vermarktungslogiken fest und versäumten den Blick auf neue, zielführende Modelle. Oft fehle sogar die einfache, aber entscheidende Analyse, „an welcher Stelle der Wertschöpfungskette im Unternehmen entsteht denn tatsächlich der Wert, der sich dann in Gewinne umsetzt.“

Dr. Christian Kohlpaintner
Atreus Advisor
D

„Ich glaube, es gehört zu einem erfolgreichen Unternehmen dazu, auch Experimente zuzulassen.“

Dr. Christian Kohlpaintner
Atreus Advisor

Chemieindustrie: Konservativ, erfolgreich – aber gefährlich selbstzufrieden

Gerade in der Chemie sei das Verständnis für neue Geschäftsmodelle „eher unterentwickelt“.
Spezialchemie habe zwar gezeigt, dass ein service- und anwendungsgetriebener Ansatz weit über den klassischen Kosten-plus-Verkauf hinausgehen kann. Doch Dr. Kohlpaintner kritisiert, dass die Monetarisierung des Mehrwerts häufig vernachlässigt werde. Die Branche nutze die „untapped opportunity“, den wahren Kundennutzen jenseits der reinen Produktperformance systematisch zu bepreisen, noch viel zu wenig.

Circular Economy & Daten: Neue Geschäfte, alte Fehler

Am Beispiel Circular Economy zeigt Dr. Kohlpaintner, wie riskant es ist, neue Modelle mit altem Mindset aufzusetzen. Beim Einstieg in Recyclinggeschäfte sei er „schockiert, wie amateurhaft oft an so ein Thema herangegangen wird“ – aus bestehenden Organisationen heraus, denen die Erfahrung fehle, wie man mit Recycling oder Circular Economy wirklich Geld verdient. Ähnlich sehe er es bei Daten und Künstlicher Intelligenz: Es fehle an Skills und Capabilities, um neue Geschäfte zügig und professionell zu etablieren. Interim Management sei hier ein wirkungsvoller Weg, diese Kompetenz temporär und schnell an Bord zu holen.

Top-Management, Mut und „richtiger Gärtner“

Neue Geschäftsmodelle entstehen nicht aus der Mitte, sondern durch „Tone from the Top“: Die oberste Führung müsse klar entscheiden, dass unterschiedliche Geschäftsmodelle im Unternehmen gewollt und toleriert sind, auch wenn sie Friktion um Ressourcen, Personal und Kapital erzeugen. Erfolgsfaktoren sind für Dr. Kohlpaintner „Freude am Innovieren“, Offenheit gegenüber Neuem, Mut des Top-Teams und eine konsequente Exekution. Er fasst es in ein Bild: Es brauche geschützte Bereiche, in denen ein neues „Pflänzchen“ mit richtigem Dünger, Feuchtigkeit und „dem richtigen Gärtner“ wachsen könne.

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