

Atreus Expertentalk
Gesundheitsmarkt im Wandel: Chancen für Mittelstand und Apotheken
Wie Inge Weber den Weg zu Digitalisierung, Patientenzentrierung und KI im Gesundheitswesen skizziert
Der Expertentalk mit Inge Weber, ehem. CEO der almapharm GmbH, und Nam Trung Nguyen zeigt, wie Mittelständler und Apotheken trotz Kostendruck und Systemüberlastung im Gesundheitsmarkt wachsen können: durch Digitalisierung, Prävention, Individualisierung, klare Fokussierung auf Frauen als Gatekeeper und pragmatischen KI‑Einsatz entlang der Wertschöpfungskette.
„Zwischen 70 und 80 % aller Entscheidungen im Gesundheitswesen werden von Frauen getroffen.“
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Vom Krisenmodus zur Chance: Drei zentrale Markttrends
Die eigentliche Herausforderung im Gesundheitswesen liegt nicht darin, Engpässe zu verwalten oder Finanzierungslücken zu schließen. Sie besteht darin, die strategischen Chancen eines Marktes zu erkennen, der sich grundlegend verändert.
Inge Weber greift dafür einen Gedanken von Charles Darwin auf: Nicht Stärke und nicht Intelligenz entscheiden über Zukunftsfähigkeit, sondern die Fähigkeit zur Anpassung. Genau darin liegt auch der Maßstab für Organisationen im Gesundheitswesen.
Aus dieser Perspektive ergeben sich drei strategische Handlungsfelder. Erstens: Gesundheitsdaten aus Wearables und Gesundheits-Apps müssen konsequent erschlossen und intelligent genutzt werden. Sie sind die Grundlage für bessere Entscheidungen und wirksamere Versorgung. Zweitens: Prävention darf nicht länger das Randthema eines Systems bleiben, das noch immer über 90 Prozent seiner Mittel in die Behandlung bereits entstandener Erkrankungen investiert. Wer Versorgung nachhaltig sichern will, muss Gesundheit früher gestalten. Drittens: Die Zukunft gehört einer individualisierten Diagnostik und Therapie, die datenbasiert auf den einzelnen Menschen ausgerichtet ist und den Blick bewusst über die Grenzen der klassischen Medizin hinaus erweitert.
Anpassungsfähigkeit ist damit keine abstrakte Zukunftskompetenz. Sie wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Unternehmen, Leistungserbringer und das Gesundheitssystem insgesamt.
„Die Spezies, die überlebt, ist nicht die, die am stärksten ist oder am intelligentesten, sondern die, welche sich am besten der Veränderung anpassen kann. (zit. nach Charles Darwin)“
Apotheken als erste Anlaufstelle – und strategische Drehscheibe
Inge Weber beschreibt Apotheken als unterschätzte Schlüsselakteure, die sich vom reinen Rezeptabwickler zum patientenzentrierten Versorger entwickeln. Gesetzliche Änderungen erlauben Blutabnahmen, Diabetes‑Checks, Beratung zur Dauermedikation und Handlungsspielräume bei Lieferengpässen. Gleichzeitig verändern Online‑Apotheken und Player wie dm mit OTC‑Portfolios das Wettbewerbsfeld. Erfolgreiche Apotheken nutzen ihre Stärken, wie individuelle Beratung, lokale Nähe, 24/7‑Services und digitale Plattformen und setzen stärker auf Eigenmarketing nach dem Prinzip „Tue Gutes und rede darüber“.
Frauen als Gatekeeper: strategische Zielgruppe für Wachstum
Ein Kernpunkt des Gesprächs ist die Rolle der Frauen im Gesundheitsmarkt. Zwischen 70 und 80 % aller Gesundheitsentscheidungen werden von Frauen getroffen, für sich selbst, Kinder, Partner, Eltern, Schwiegereltern und Haustiere. Frauen investieren überdurchschnittlich in Selbstmedikation, OTC und Nahrungsergänzung. Für Mittelständler und Apotheken ist das eine Wachstumsagenda: Angebote, Beratung und Einkaufsatmosphäre konsequent auf diese Zielgruppe ausrichten, lokale Veranstaltungen etablieren und Mitarbeiterinnen, die ohnehin rund 75 % der Beschäftigten im Gesundheitswesen stellen und in Apotheken über 90 %, stärker in Entscheidungen und Go‑to‑Market‑Strategien einbinden.
Expertentalk
Francesco De Meo im Expertentalk über das deutsche Gesundheitssystem
Erfahren Sie in unserem Experten-Talk zum Thema deutsches Gesundheitswesen, was jetzt verändert werden muss. Was sind Probleme und Lösungen und wie können Krankenhäuser hochqualitativ und profitabel arbeiten? Francesco de Meo, ehemaliger DAX Vorstand bei Fresenius und ex CEO bei Helios, gibt im Gespräch …
Transformation & KI: Ermüdete Belegschaften, pragmatische Lösungen
Inge Weber warnt vor einer wachsenden Transformationsmüdigkeit. Laut einer aktuellen Studie fühlt sich inzwischen rund ein Drittel der Beschäftigten von der permanenten Veränderung überfordert. Wer Wandel erfolgreich gestalten will, muss deshalb mehr leisten als neue Prozesse einzuführen. Entscheidend ist, den Sinn der Veränderung nachvollziehbar zu vermitteln, an gemeinsame Erfolge anzuknüpfen und transparent zu kommunizieren. Erst dann werden Mitarbeitende zu überzeugten Mitgestaltern des Wandels.
Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz spricht sich Weber für einen pragmatischen Ansatz aus. Nicht die große Vision schafft Akzeptanz, sondern der konkrete Nutzen im Arbeitsalltag. Ob eine intelligente Routenplanung für den Außendienst, die automatisierte Priorisierung von Besuchsclustern oder ein KI-gestütztes IT-Ticketing, das bis zu 90 Prozent der Anfragen bereits beim Mitarbeitenden löst: Solche Anwendungen steigern die Effizienz unmittelbar und schaffen gleichzeitig Vertrauen in den Einsatz von KI innerhalb der Organisation.


