

Atreus Expertentalk
Warum klassische Change-Ansätze scheitern – und wie Dr. Thomas Pisar Organisationen neu denkt
Komplexität meistern: Wie Transformation wirklich gelingt
Transformationen scheitern oft an unterschätzter Komplexität. Dr. Thomas Pisar, promovierter Physiker, Executive Advisor und Keynote Speaker, erklärt im Gespräch mit Bernhard Gruber, wie Unternehmen ihre Anpassungsfähigkeit stärken, Komplexität als Stärke nutzen und warum neue Führungs- und Change-Logiken nötig sind.
„Mit jeder Innovation, die draußen passiert, werden noch mehr Innovationen möglich. Und das wirkt wiederum auf die Organisation; der Change‑Bedarf wird damit eigentlich chronisch, stetig und permanent.“
Jetzt Expertentalk ansehen:

Dauer-Change, Hierarchie und der „Störungsauftrag“ der Führung
Organisationen stehen heute in einem permanenten Anpassungsdruck: Innovation erzeugt neue Innovation, Konkurrenz zieht in die Cloud und nutzt KI – Zuschauen ist keine Option. Change wird chronisch, nicht episodisch. Hierarchie ist dabei nicht das Problem, solange sie Entscheidungswege klärt statt alles nach oben zu ziehen. Systeme streben aus Energieminimierung zum Status quo; Führung hat daher, so Pisar, einen „Störungsauftrag“, um Organisationen in einen besser passenden Zustand zur Umwelt zu überführen.
„Es gibt keine Rezepte. Das Buch ist keine Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung, um eine Organisation für alle Ewigkeiten fit zu machen. Es geht immer um den eigenen Kontext – und das geht nur dialogisch zu entwickeln.“
Komplex vs. kompliziert: Der blinde Fleck vieler Transformationen
In vielen Unternehmen werden „komplex“ und „kompliziert“ gleichgesetzt – mit fatalen Folgen. Pisar erklärt den Kernunterschied: Ein kompliziertes System wie ein Uhrwerk, lässt sich zerlegen und wieder zusammenbauen, ohne sein Verhalten zu ändern. Komplexe Systeme – etwa Organisationen oder Beziehungen – zeigen emergente, nicht berechenbare Eigenschaften. Wer komplexe Transformationen mit Werkzeugen der Prozessoptimierung behandelt, wendet die falsche Logik an und riskiert, im Chaos zu landen.
Warum Zielbilder überschätzt werden – und Ist-Bilder fehlen
Viele Vorstände definieren mit Beratern ideale Zielbilder, schreiben Transformationspläne – und wundern sich, warum niemand mitgeht. Pisar betont: In echten komplexen Lagen gibt es keine stabile, vorab berechenbare Kausalitätskette – und damit auch kein fixes Zielbild im klassischen Sinn. Stattdessen braucht es eine radikal ehrliche Ist-Analyse, die Technologie, Menschen, Prozesse, Kultur und Verhalten umfasst – nicht nur KPIs und Hypothesen des Top-Managements. Aus diesem gemeinsamen Realitätsbild lässt sich ein „Vektor“, also eine Richtung, ableiten, kein statisches Idealbild.
