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Behind GTS – Februar 2026 Recap

von Franz Kubbillum

Ausgabe 2 der monatlichen Serie aus der Solution Group Global Technology & Services mit Informationen, Updates, News und Einordnungen aus der Branche.

Im Februar hat sich der rote Faden erneut bestätigt

Enterprise-AI wird Infrastruktur und gleichzeitig entscheidet sich, wer die Distributionskanäle kontrolliert. Foundation Model Anbieter, Hyperscaler und globale Beratungshäuser positionieren sich als Plattform, Integrator und Delivery-Partner. Parallel dazu beginnt die nächste Infrastrukturwelle bereits: Quantencomputing bewegt sich Richtung kommerzielle Infrastruktur.

Accenture und Mistral AI haben Ende Februar eine mehrjährige strategische Zusammenarbeit angekündigt, um Organisationen in Europa und weltweit bei der Skalierung von Enterprise-AI zu unterstützen. Im Kern geht es um Sovereign AI als strategisches Differenzierungsmerkmal: Mistral bringt europäische Modelle mit voller Datensouveränität, Accenture bringt globale Delivery-Kapazität, Zertifizierungsprogramme und tiefe Regulatory-Kompetenz, insbesondere für regulierte Industrien in der EU. Accenture hat in kurzer Folge Partnerships mit OpenAI, Anthropic und nun Mistral AI geschlossen und positioniert sich damit als modellunabhängiger AI-Integrator, der je nach Kundenanforderung den passenden Foundation Model Stack liefert. Für Mid-Market IT Services Player ohne vergleichbare Ökosystem Tiefe steigt der Differenzierungsdruck. Wer kein glaubwürdiges AI-Partnerportfolio vorweisen kann, wird in Enterprise Ausschreibungen zunehmend als zweite Wahl wahrgenommen.

Börsengang von IQM

IQM Quantum Computers hat am 23. Februar seinen Börsengang via SPAC-Merger mit Real Asset Acquisition Corp. Angekündigt. Bei einer Pre-Money Bewertung von 1,8 Mrd. US Dollar. Damit wird IQM das erste börsennotierte europäische Quantencomputing-Unternehmen. Im Kern geht es um mehr als einen Kapitalmarkt-Move: IQM hat bereits 21 Quantensysteme an 13 Kunden ausgeliefert, darunter vier der weltweit führenden Supercomputing-Zentren, und verfügt über strategische Integrationen mit NVIDIA, HPE, AWS und Bechtle. Damit positioniert sich IQM nicht als Forschungsprojekt, sondern als kommerzielle Infrastrukturplattform mit On-Premise Deployment, offenem Architekturansatz und einer klaren Enterprise Kundenlogik. Für IT-Service Provider und Systemintegratoren im DACH-Raum ist das ein frühes Signal: Quantencomputing beginnt, aus dem HPC Nischenumfeld in Enterprise Architekturen zu wandern und wer Implementierungs- und Integrationskompetenz aufbaut, sichert sich einen First-Mover-Vorteil.

Milliarden für KI

OpenAI hat Ende Februar eine Finanzierungsrunde über 110 Mrd. US-Dollar abgeschlossen – mit Amazon (50 Mrd.), Nvidia (30 Mrd.) und SoftBank (30 Mrd.) als Kerninvestoren, bei einer Pre-Money Bewertung von 730 Mrd. US-Dollar. Im Kern geht es um Kapital als Infrastrukturhebel. Als Teil der Partnerschaft wird OpenAI´s Enterprise AI Toolset über AWS Infrastruktur und Kundennetzwerk distribuiert. Foundation Model Anbieter entwickeln sich damit endgültig zu strategischen Plattformpartnern, nicht zu reinen Modell Lieferanten. OpenAI gibt an, inzwischen über 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer und mehr als 50 Millionen zahlende Consumer-Subscriber zu haben und adressiert nun systematisch den Enterprise Markt. Für Mid-Market IT-Services Player heißt das: Der Distributionskanal für Enterprise AI wird durch Hyperscaler-Partnerschaften neu definiert.

Für Executives im Mid-Market zeichnen sich zwei Implikationen ab: Erstens wird AI-Partnerportfolio zur Eintrittskarte: Wer in Enterprise Ausschreibungen keine glaubwürdige Ökosystem Tiefe vorweisen kann, verliert Mandate an modellunabhängige Integratoren wie Accenture. Zweitens ist Quantencomputing kein Zukunftsthema mehr, sondern ein Planungsthema. Wer heute keine Roadmap entwickelt, verliert in drei bis fünf Jahren den Anschluss an Kunden, die es bereits tun.

Marktchallenge: Talentknappheit: Warum die Bindung wichtiger Talente zur eigentlichen Wachstumsstrategie geworden ist

Alle reden über digitale Transformation, aber kaum jemand spricht über die Menschen, die sie umsetzen sollen. Die Transformation scheitert nicht an der Technologie, sondern am Fachkräftemangel. Die Beratungs- und Technologiedienstleistungsbranche läuft mit halbem Tank auf Hochtouren und jede verlorene Fachkraft schmerzt doppelt: einmal durch verminderte Lieferfähigkeit und einmal durch den Verlust von Know-how, das Projekte am Laufen hält.

Wenn der Markt heiß ist, sind Projekte leicht zu gewinnen, aber schwer umzusetzen. Top-Performer sind überlastet, Talente wechseln zu Start-ups oder Remote-Jobs, und die Personalbeschaffung hält mit der Nachfrage nicht Schritt. Das Ergebnis ist eine stille Erosion: der Kultur, der Lieferqualität und der Führungskontinuität. Die Ironie dabei: Unternehmen investieren Millionen in Transformationsprojekte, vergessen aber ihre eigene Karrierearchitektur zu transformieren.

Drei Hebel machen in der Praxis den Unterschied.

  • Erstens ist die Mitarbeiterbindung wichtiger als Personalbeschaffung: Jeder gehaltene Schlüsselberater spart Monate an Rekrutierung, Einarbeitung und Wissensverlust und hält Teams aus dem permanenten Krisenmodus heraus.
  • Zweitens schafft Klarheit Loyalität: Wer Rollen, Karrierewege und Lernpfade neu definiert, gibt Fachkräften ein Gefühl von Entwicklung auch in sich schnell verändernden Umgebungen.
  • Drittens ist Kultur kein Soft-Thema, sondern der eigentliche Wachstumsmotor: Eine gesunde, transparente Kultur zieht die richtigen Mitarbeiter an und bindet sie. Interim-Führungskräfte im Bereich People & Culture können Führungsgewohnheiten neu kalibrieren und Vertrauen gezielt wiederherstellen.

Ein Praxisbeispiele: Von Verlust zu Engagement

Ein Software- und Plattformanbieter kämpfte mit einer jährlichen Fluktuationsrate von 25 %. Wichtige Mitarbeiter verließen das Unternehmen schneller, als die Personalabteilung sie ersetzen konnte. Ein Interim Head of People & Culture gestaltete die gesamte Karrierestruktur neu, führte Mentorenprogramme ein und schuf transparente Aufstiegsmöglichkeiten. Innerhalb von acht Monaten sank die Fluktuationsrate auf unter 10 %, die Engagement Werte stiegen sprunghaft an. Denn Transformation funktioniert nur, wenn die Menschen, die sie vorantreiben, an Bord bleiben.

Talente sind keine Ressource, sie sind der Motor der Transformation. Die Bindung wichtiger Mitarbeiter ist keine HR-Aufgabe, sondern eine Strategie zur Sicherung der Unternehmensstabilität.

Genau hier kommen Interim-Führungskräfte ins Spiel: Für viele Mid-Market-SaaS- und Service-Unternehmen ist es effizienter, einen erfahrenen Head of People & Culture temporär zu mandatieren, als Kulturwandel und Karrierestruktur langsam, intern zu entwickeln, während die besten Leute bereits die Kündigung vorbereiten.

Hören, was Entscheider bewegt

Wer tiefer einsteigen möchte, findet in aktuellen „Behind-the-C“-Folgen zusätzliche Perspektiven aus anderen Branchen. Und jetzt auch neu: Behind PE (Private Equity)

  • NEW SUB-FORMAT: Behind PE – #1 mit Kai Hesselmann (DEALCIRCLE)
    Kai Hesselmann, Gründer einer M&A Plattform für den deutschen Mittelstand, erklärt wie Unternehmensverkäufe wirklich funktionieren und warum Private Equity für Executives, die Geschwindigkeit, Ownership und klare Anreizsysteme schätzen, eines der spannendsten Arbeitsumfelder überhaupt ist.
    Link zur Episode PE #1

  • Episode 287 mit Sophie-Theres Ebert (CFO, SHW AG)
    Sophie-Theres Ebert, CFO der SHW Automotive GmbH, spricht über Führung und Transformation in einem Unternehmen mit 650 Jahren Geschichte und darüber, warum Vertrauen und Talentförderung der eigentliche Hebel sind, wenn Traditionsunternehmen sich neu erfinden müssen.
    Link zur Episode 287

  • Episode 286 mit Ralf Seiz (CEO & Gründer, Finreon)
    Ralf Seiz hat aus der Universität St. Gallen heraus nicht nur Finreon gegründet, ein wissenschaftsbasiertes Asset-Management mit heute 7 Mrd. Schweizer Franken AuM, sondern auch Focus Water zu einer der bekanntesten Getränkemarken der Schweiz aufgebaut: wie serielles Unternehmertum aus der Wissenschaft heraus funktioniert.
    Link zur Episode 286

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