

Behind GTS – April 2026 Recap
von Franz Kubbillum
Ausgabe 4 der monatlichen Serie aus der Solution Group Global Technology & Services mit Informationen, Updates, News und Einordnungen aus der Branche.
1/
Marktbewegungen im GTS-Umfeld im April
Das Münchner Softwareunternehmen Nemetschek hat Anfang April den US-Spezialisten HCSS für über 2 Mrd. USD übernommen und damit die größte Akquisition seiner Geschichte abgeschlossen. HCSS ist in Nordamerika der führende Anbieter von Software für den Schwer- und Infrastrukturbau. Tausende Bauprojekte, von Highways bis Brücken, werden täglich mit den Tools von HCSS geplant und gesteuert. Im Kern geht es um eine klare Wachstumsstrategie. Nemetschek war bislang stark in Europa und im Hochbau, HCSS öffnet den nordamerikanischen Markt für Infrastrukturprojekte. Zwei komplementäre Welten, die zusammen einen globalen Construction Technology Leader ergeben. Damit verschiebt sich Nemetschek vom deutschen Softwareanbieter zum internationalen Plattformspieler mit einzigartigen Daten aus Tausenden Bauprojekten als Fundament für das nächste Kapitel, vertikale KI in der Bauindustrie zu etablieren. Auch in traditionellen Industrien wie dem Bauwesen entscheidet heute die Datenstrategie über die Marktführerschaft von morgen
Personio erweitert sein HR-Ökosystem mit KI und beweist Profitabilität
Das Münchner HR-Software Unternehmen Personio hat im April gleich zwei Meldungen auf einmal veröffentlicht: das erste profitable Quartal der Unternehmensgeschichte und die Übernahme des Münchner KI-Startups aurio. Im Kern geht es um eine klare Produkterweiterung: aurio bringt KI gestützte Recruiting Workflows mit von der automatisierten Kandidatensuche bis zur Bewerbungsbewertung. Das passt, weil bereits mehr als die Hälfte der Personio Kunden die Recruiting Funktion aktiv nutzt. Personio ist damit nicht mehr nur eine HR Verwaltungslösung, sondern wächst zum integrierten HR-Stack von der Einstellung bis zur Gehaltsabrechnung. Für den Markt ist das ein klares Signal: agentische KI hält Einzug in die Kernprozesse des HR und Unternehmen, die heute in die richtigen Tools investieren, verschaffen sich einen echten Wettbewerbsvorteil beim Aufbau und der Bindung von Talenten. Genau das wird in den nächsten Jahren zur strategischen Führungsaufgabe.
Cohere und Aleph Alpha senden ein Signal für souveräne europäische KI
Cohere übernimmt das Heidelberger KI-Unternehmen Aleph Alpha und schafft damit einen großen KI-Anbieter außerhalb der USA. Die Schwarz Group, Mutterkonzern von Lidl und Kaufland, begleitet den Deal als größter Einzelinvestor der begleitenden Finanzierungsrunde. Im Kern geht es um eine einfache, aber strategisch wichtige Frage: Muss europäische KI zwingend auf amerikanischen Servern laufen? Die Antwort dieses Deals lautet nein. Aleph Alpha bringt langjährige Erfahrung mit deutschen Behörden und regulierten Umgebungen mit, Cohere die globale Reichweite. Der Deal ist noch nicht final geschlossen, aber das Signal ist bereits klar. Für Unternehmen, die KI-Projekte bislang aus Datenschutz und Compliance Gründen auf Eis gelegt haben, liefert dieser Deal neu Möglichkeiten.
2/
Marktchallenge: Die Wachstumsgrenze durchbrechen: Warum Skalierbarkeit mit intelligenteren Geschäftsmodellen beginnt
Wachstum ist großartig, bis es nicht mehr skalierbar ist. Viele Technologie und Dienstleistungsunternehmen stecken in einem Paradoxon: Je mehr sie wachsen, desto schwieriger wird es, profitabel zu bleiben. Das liegt selten an mangelnder Nachfrage, sondern daran, dass das eigene Geschäftsmodell nicht mitwächst.
Der Kern des Problems: Viele Unternehmen wachsen über Menschen, nicht über Modelle. Jedes neue Projekt braucht neue Teams, mehr Aufwand, mehr Komplexität. Warum? Weil Geschäftsmodelle noch immer auf abrechenbaren Stunden basieren, nicht auf wiederverwendbarem Know-how. Der Umsatz steigt linear mit der Mitarbeiteranzahl, jeder neue Kunde erfordert neue Kapazitäten statt wiederkehrender Wertschöpfung. Der Markt hat sich verändert: Kunden erwarten plattformbasierte Lösungen, Automatisierung und Ergebnisse, keinen Aufwand. Wer noch immer auf Einzelprojekte, manuelle Lieferung und individuelles Fachwissen setzt, kämpft mit uneinheitlicher Rentabilität und keiner Hebelwirkung aus früheren Erfolgen.
Zwei Interim Funktionen haben sich dabei in der Praxis bewährt:
Ein Interim Business Development Lead, hilft Unternehmen, ihre Wertschöpfung neu zu definieren, durch wiederverwendbare Servicebausteine statt individueller Projektlösungen, standardisierte Angebote und IP-basierte Leistungen sowie die Einführung von Abo, Plattform oder managed Service-Modellen. Das Ergebnis: planbare Umsätze, höhere Effizienz und eine klare Differenzierung im Markt.
Ein Interim CFO, implementiert Analysen zur Rentabilität von Aufträgen, identifiziert frühzeitig verlustbringende Projekte, erfasst Margen über Dienstleistungsbereiche und Kunden hinweg und wandelt Daten in umsetzbare Steuerungserkenntnisse um. So wird finanzielle Transparenz zum Wachstumsbeschleuniger, nicht zur Berichtsaufgabe.
Was das in der Praxis bedeutet, zeigt ein konkretes Beispiel:
Eine europäische Technologie & Dienstleistungsunternehmen stand trotz Rekordumsätzen vor stagnierenden Margen. Ein Interim Business Development Lead gestaltete das Betriebsmodell neu, konsolidierte Projekterfahrung in modularen Servicepaketen und führte Rentabilitätsanalysen ein. Innerhalb eines Jahres stieg der Anteil wiederkehrender Einnahmen von 15 auf 29 Prozent, die EBITDA-Margen um 8 Prozentpunkte. Skalierbarkeit ist keine Frage der Teamgröße, sondern der Strukturen, die Know-how in nachhaltigen Erfolg überführen. Genau hier kommen Interim-Führungskräfte ins Spiel: Sie bringen die externe Perspektive und operative Erfahrung mit, um Geschäftsmodelle zukunftsfähig aufzustellen, bevor das Wachstum zur Belastung wird.
Mit der richtigen Interim-Expertise in den Bereichen Business Development und Finance können Unternehmen das Know-how von heute in den wiederkehrenden Wert von morgen verwandeln.
3/
Hören, was Entscheider bewegt
Wer tiefer einsteigen möchte, findet in aktuellen „Behind-the-C“-Folgen zusätzliche Perspektiven aus anderen Branchen. Und jetzt auch neu: Behind PE (Private Equity)
- Episode 296 mit Dr. Rebecca Koch (Chief People Officer)
Rebecca Koch spricht darüber, warum Unternehmenskultur kein weicher Faktor, sondern direkt mit Umsatz, EBIT und Unternehmenserfolg verknüpft ist und wie moderne People-Organisationen Kultur aktiv messen und gestalten können. Zur Episode
- Episode 295 mit Gabriel von Mitschke-Collande (Group CDO, Giesecke+Devrient)
Gabriel von Mitschke-Collande spricht darüber, wie sich Giesecke+Devrient vom klassischen Gelddrucker zu einem internationalen Security-Tech-Konzern entwickelt hat. Von digitaler Identität bis zu digitalen Zentralbankwährungen. Außerdem erklärt er, warum langfristiges Denken, technologische Souveränität und Sicherheit zentrale Erfolgsfaktoren für Europa und Unternehmen sind. Zur Episode
- Episode 294 mit Hamarz Mehmanesh (CEO & Gründer, mgm technology partners)
Hamarz Mehmanesh erzählt, wie er aus dem Philosophie- und Psychologiestudium heraus mgm technology partners aufgebaut hat und warum nachhaltige Softwareentwicklung wichtiger ist als kurzfristige Trends. Im Fokus stehen außerdem Low-Code-Plattformen, KI in Fachanwendungen und die Frage, wie man Enterprise-Software entwickelt, die auch nach Jahrzehnten noch funktioniert. Zur Episode
Sie haben Fragen?
Unser Experte
steht Ihnen gerne Rede und Antwort.