

Atreus in den Medien
Grüne Chemie zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz
Interview von Martin Schulz und Harald Smolak
Die deutsche Chemieindustrie steht unter hohem Kosten- und Transformationsdruck – und muss zugleich ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Atreus Direktoren Harald Smolak und Martin Schulz erläutern, welche politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür entscheidend sind. Ihr Fazit: Grüne Chemie ist möglich, wenn Industrie und Politik jetzt gemeinsam handeln.
Transformationsdruck und Rahmenbedingungen
Aus Sicht von Harald Smolak ist treibhausgasneutrale Chemieproduktion grundsätzlich möglich – vorausgesetzt, es stehen sowohl grüne Energie als auch erneuerbare Rohstoffe wie Biomasse, Recyclingströme oder CO₂-basierte Ausgangsstoffe zur Verfügung. Zugleich verweist er darauf, dass viele Unternehmen derzeit vor allem mit kurzfristigen Risiken wie schwankenden Energiepreisen, drohenden Zöllen und gestörten Lieferketten beschäftigt sind. Besonders im Mittelstand müsse Klimaschutz mit Profitabilität vereinbar sein, sonst werde die Transformation nicht flächendeckend gelingen.
Martin Schulz hebt hervor, dass Unternehmen einen verlässlichen Investitionsrahmen und eine planbare Regulatorik benötigen, um in grüne Chemie investieren zu können. Derzeit dominierten Gespräche über Kostensenkung, Produktivitätssteigerung, Restrukturierung und Standortverlagerung, weil Märkte schwierig und Wettbewerbsdruck hoch seien.
Lernen aus der Energiewende
Schulz zieht Parallelen zur Energiewende: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz habe durch Anschubfinanzierung und Planungssicherheit den Boom der Erneuerbaren ermöglicht, zugleich aber zu lange vor allem Investoren begünstigt und die Kernindustrie zu wenig gestärkt. Für eine „Chemiewende“ seien gezielte Anreize, Förderprogramme und ein ganzheitlicher Blick auf Energie, Rohstoffe und Industrie notwendig.
Politik, Standort und Kommunikation
Beide Experten fordern eine deutlich engere Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik, international wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässliche Rahmenbedingungen, um Investitionen in grüne Technologien wie Wasserstoff, Kreislaufwirtschaft und CO₂-arme Prozesse zu ermöglichen. Gleichzeitig leidet die Chemiebranche aus ihrer Sicht unter einem schlechten Image und unterinvestiertem Marketing, wodurch negative Schlagworte die öffentliche Wahrnehmung prägen. Smolak und Schulz zeigen sich dennoch zuversichtlich, dass es für die Chemie in Deutschland eine Zukunft geben wird – mit erneuerbarer Chemie als zentralem Baustein.
Der Beitrag erschien am 23. März 2026 als Interview-Format im Fachmedium VDI energie + umwelt
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