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Behind GTS – Juni 2026 Recap

von Franz Kubbillum

Ausgabe 6 der monatlichen Serie aus der Solution Group Global Technology & Services mit Informationen, Updates, News und Einordnungen aus der Branche.

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Marktbewegungen im GTS-Umfeld im Juni

Der Juni stand im Zeichen einer klaren Bewegung: Der Technologiemarkt sortiert sich neu. Wer wird übernommen, wer kauft sich Fähigkeiten dazu, und wer beweist endlich, dass das eigene Modell trägt? Drei Meldungen erzählen genau diese Geschichten.


Der indische IT-Dienstleister Persistent will den Münchner Digital-Engineering Spezialisten Nagarro übernehmen und hat dafür ein öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt. Geboten werden 81 Euro je Aktie, ein Aufschlag von rund 140 Prozent auf den Kurs vor Bekanntwerden der Gespräche. Vorstand und Aufsichtsrat von Nagarro stehen hinter dem Angebot, und Persistent hat sich über den größten Aktionär bereits rund 21 Prozent der Anteile gesichert. Abgeschlossen ist der Deal damit aber noch nicht: Das Angebot steht unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote und regulatorischer Freigaben. Anschließend soll Nagarro von der Börse genommen werden. Für den Markt ist das ein deutliches Signal, dass gut aufgestellte Digital-Engineering Häuser aus dem DACH-Raum zu begehrten Übernahmezielen werden, wenn internationale Wettbewerber ihre KI-Kapazitäten in einem Zug ausbauen wollen.


Auch Salesforce setzt auf Zukauf. Der US-Softwarekonzern will den auf KI-Agenten spezialisierten Anbieter Fin für rund 3,6 Milliarden US-Dollar übernehmen, dessen Agenten Kundenanfragen weitgehend eigenständig lösen und künftig eng mit Salesforces eigener Plattform Agentforce verzahnt werden sollen. Es ist bereits die zweite solche Übernahmevereinbarung innerhalb von zwei Wochen: Kurz zuvor hatte Salesforce bereits die Übernahme des ursprünglich in Berlin gegründeten Anbieters Contentful angekündigt, der Agentforce die passende Inhalts-Ebene liefern soll. Das Muster ist bekannt: Wie zuvor bei Slack oder MuleSoft kauft sich Salesforce eine neue Produktkategorie hinzu, statt sie mühsam selbst aufzubauen. Generell bedeutet das, dass KI-Agenten aus der Erprobungsphase in den festen Bestandteil großer Software Suiten wandern. Wer heute Standardsoftware einführt, bekommt zunehmend Agentenfunktionen serienmäßig mitgeliefert.

Eine ganz andere, aber ebenso bemerkenswerte Nachricht kommt von N26. Die deutsche Neobank hat zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein komplettes Geschäftsjahr mit Gewinn abgeschlossen. Bei einem Umsatz von über 500 Millionen Euro blieb 2025 unter dem Strich ein kleiner, aber symbolträchtiger Nettogewinn, getragen von höheren Zinserträgen und einer wachsenden Zahl aktiver Kunden, die inzwischen bei rund 5,6 Millionen liegt. Über Jahre lautete die entscheidende Frage bei Neobanken nicht, ob sie Kunden gewinnen, sondern ob sie damit jemals profitabel wirtschaften können. N26 liefert darauf nun eine Antwort. Für den Markt ist das ein wichtiges Signal: Europäische Tech-Unternehmen können Wachstum und nachhaltige Profitabilität verbinden.

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Marktchallenge: Wenn Wachstum ins Stocken gerät

Warum Produkt, Vertrieb und Customer Success an einem Strang ziehen müssen:

Viele Software- und SaaS-Unternehmen erleben dasselbe Phänomen: Das Produkt entwickelt sich schnell, der Vertrieb jagt neuen Abschlüssen hinterher, und Customer Success kämpft damit, Kunden zu halten, die nie richtig abgeholt wurden. Das Ergebnis sind verpasste Upselling-Chancen, sinkende Zufriedenheit und eine Organisation, die mehr Energie in das Ausgleichen von Reibungsverlusten steckt als in echtes Wachstum. Diese fehlende Verbindung zwischen den drei Bereichen ist keine reine Kommunikationsfrage, sondern ein strukturelles Problem. Genau hier setzt ein Interim-CRO oder Go-to-Market-Lead an.

Der Grund für das Stottern der Wachstumsmaschine liegt meist in der Entstehung. In vielen SaaS-Unternehmen werden Produkt und Vertrieb parallel aufgebaut, aber selten synchronisiert. Das Produktteam denkt in Features, der Vertrieb in Deals, Customer Success in Verlängerungsraten. Echtes Wachstum entsteht aber nur, wenn alle drei dieselbe Sprache sprechen: Kundennutzen. Wenn Vertrieb und Produkt aneinander vorbeiarbeiten, verkauft das eine Team Versprechen, die das andere nicht einlösen kann. Und wenn Customer Success nicht in den Zyklus eingebunden ist, fehlt der Kreislauf, der Retention und Upselling erst möglich macht.

Ein Interim-CRO oder Go-to-Market-Lead schlägt die Brücke zwischen Markt und Organisation. Die Rolle bringt Produkt, Vertrieb und Customer Success auf eine gemeinsame Linie, mit klaren Prozessen, Kennzahlen und Verantwortlichkeiten. Der Fokus liegt dabei auf drei Hebeln:

  • Vertriebsprozesse professionalisieren: vom Einzelabschluss zu einer skalierbaren, datenbasierten Sales Motion.
  • Preis- und Retentionsmodelle definieren: klare Monetarisierung, transparente Kommunikation des Kundennutzens, stabile Wiederkehr.
  • Feedback-Schleifen schaffen: aus Kundeninteraktionen wird Produktinnovation, aus Vertriebserkenntnissen wird Marktorientierung.

Das Ergebnis ist eine Organisation, die nicht nur verkauft, sondern versteht, warum sie erfolgreich verkauft. Wo Produkt, Vertrieb und Customer Success getrennt arbeiten, entstehen Silos. Ein Interim-CRO baut stattdessen ein System, das Kundennutzen in jede Abteilung übersetzt, und schafft so eine Wachstumsstruktur, die sich nicht auf Glück oder einzelne Leistungsträger stützt, sondern auf gemeinsame Ziele und Metriken. Führung heißt hier nicht Kontrolle, sondern Koordination: die Fähigkeit, alle auf denselben Takt einzustellen.

Wie das in der Praxis wirkt, zeigt ein konkretes Beispiel:

Ein SaaS-Unternehmen wuchs stark, verlor aber 19 Prozent seiner Kunden nach dem ersten Vertragsjahr. Customer Success war zu spät eingebunden und reagierte auf Probleme, statt Kundenerfolg aktiv zu gestalten. Ein Interim-CRO führte ein neues Go-to-Market-Framework ein, verzahnte Sales-Feedback mit der Produkt-Roadmap und etablierte ein wertbasiertes Preismodell. Nach neun Monaten stieg die Retention-Rate von 59 auf 76 Prozent, der Umsatz pro Kunde legte um 12 Prozent zu. Das Wichtigste: Das ganze Team sprach endlich dieselbe Sprache.

SaaS-Wachstum entsteht nicht allein durch mehr Leads, sondern durch bessere Verbindungen zwischen Menschen, Prozessen und Kundenwert. Genau das macht ein Interim-CRO oder Go-to-Market-Lead möglich: Er übersetzt Strategie, Kundennutzen in Umsatz und einzelne Teams in eine geschlossene Einheit.

3/

Hören, was Entscheider bewegt:

Wer tiefer einsteigen möchte, findet in aktuellen Folgen zusätzliche Perspektiven aus anderen Branchen. Führung zeigt sich selten im Lauten, sondern im Umgang mit Veränderung. Die drei aktuellen “Behind the C” Folgen zeigen das aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln: eine Branche neu denken, mit Haltung führen und Menschen durch den technologischen Wandel mitnehmen.


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