Markteinschätzung Stefan Randak zur Automobilindustrie Mai 2022Markteinschätzung Stefan Randak zur Automobilindustrie Mai 2022 16 zu 9

Markteinschätzung

Automobilindustrie auf neuen Wegen

von Stefan Randak

Neben der Schließung und Verlagerungen von Produktionskapazitäten in ausländische Standorte läuft gleichzeitig eine neue strategische Ausrichtung.

Die Branche muss sich mit Produktionszahlen auf niedrigerem Niveau anfreunden. Wurden in Deutschland in 2015 noch 5,74 Mio. Pkw produziert, so sind es aller Voraussicht in 2026 ca. 4,11 Mio. Das zwingt zum Umdenken und der Suche nach neuen Chancen und Möglichkeiten.

Der Einstieg der Branche in Rüstung, Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik verdeutlich, dass automotives Know-how transferierbar ist – gleichzeitig verdeutlicht die Bewegung aber auch schwindendes Vertrauen in die eigene Kernbranche, gerade wenn es um den Glauben an die Rückkehr zu einem „Vor-Corana-Level“ geht.  

In einer aktuellen Studie von Atreus wurden 275 Manager befragt. Dabei wurde unter anderem folgende Frage gestellt: „Haben Sie vor in den nächsten 1 bis 3 Jahren in andere Branchen einzusteigen“. Insgesamt 2/3 bejahten dieses Vorhaben.

Als Rangfolge wurden genannt (Mehrfach-Nennungen waren möglich):

1. Rüstungsindustrie

2. Medizintechnik

3. Luft- und Raumfahrt

4. Andere.

Erste Praxisbeispiele liegen bereits vor:

Die Hersteller

Volkswagen prüft die Nutzung seiner Fahrzeugwerke (z.B. Osnabrück), um Rüstungsprojekte ab 2027 zu realisieren. Man spricht mit KNDS und Rafael Advanced Defense Systems. Mercedes prüft die Verwendung seines Standortes in Ludwigsfelde. Das Werk könnte ganz oder in Teilen übernommen werden, um dort für KNDS militärische Fahrzeuge wie den Radpanzer Boxer zu fertigen.

Die Zulieferer

Der Autozulieferer Stabilus weitet sein Portfolio strategisch auf Rüstungs- und Dual-Use-Projekte aus, um die Absatzschwäche in der Automobilbranche abzufedern. Bis 2030 peilt der Konzern im Verteidigungsbereich eine deutliche Umsatzsteigerung an. Auch der bayerische Automobilzulieferer Dräxlmaier wird künftig in seinem Werk in Landau an der Isar für KNDS die sogenannten Missionsmodule für den Boxer herstellen. Wie Dräxlmaier nutzen viele Zulieferer für die Fertigung bestehende Werksstrukturen und benötigt keine bauliche Erweiterung. Das Kerngeschäft verbleibt im Bereich Automotive.


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